KENFO: Ein Blick ins Portfolio des deutschen Staatsfonds
Deutschlands Staatsfonds verwaltet 25,6 Milliarden Euro und gewichtet die USA nur halb so stark wie ein MSCI World. Ein Blick ins Portfolio – und auf drei Dividendenwerte daraus.
25,6 Milliarden Euro & 3.792 Aktienpositionen. Der KENFO investiert seit acht Jahren still vor sich hin und schlägt dabei sein eigenes Ziel. Ich habe mir das Portfolio zum 31.12.2025 im Detail angesehen – und drei Werte herausgezogen, die für Dividendenanleger interessant sind.
Woher das Geld kommt
Wenn in Deutschland über Staatsfonds gesprochen wird, geht es fast immer um Norwegen. Dabei gibt es hierzulande seit 2017 einen eigenen: den KENFO, offiziell „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung".
Die Entstehung ist ungewöhnlich. Mit dem Entsorgungsfondsgesetz vom Januar 2017 wurde die Finanzverantwortung für Zwischen- und Endlagerung des Atommülls von den Energieversorgern auf den Staat übertragen. Am 3. Juli 2017 zahlten E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall dafür insgesamt 24,1 Milliarden Euro ein: rund 17,9 Milliarden Grundbeitrag plus einen Risikoaufschlag von 35 Prozent, also weitere 6,2 Milliarden. Damit waren sie diese Verpflichtung los. Der Rückbau der Kraftwerke selbst blieb bei den Betreibern.
Seither fließt kein Cent mehr nach. Der KENFO ist eine Verbrauchsstiftung: Das Geld muss reichen, bis das Endlagerthema durch ist – gerechnet wird mit dem Ende dieses Jahrhunderts.
Der Auftrag: Auszahlungen generieren
Der Unterschied zu Norwegen liegt genau hier – und daraus erklärt sich fast das gesamte Portfolio.
Der norwegische Fonds bekommt laufend Öl- und Gaseinnahmen und darf nur einen kleinen Teil entnehmen. Der KENFO bekommt nichts und muss jedes Jahr einen Teil auszahlen. 2025 gingen 823 Millionen Euro ans Bundesumweltministerium. Kumuliert seit 2017 waren es bereits ca. 5,3 Milliarden Euro an Auszahlungen.
Daraus folgt eine vergleichsweise niedrige Zielrendite von zuletzt rund 4 Prozent pro Jahr – und ein deutlich vorsichtigeres Portfolio. Norwegen fährt eine Aktienquote von 71 Prozent. Der KENFO liegt bei rund 41 Prozent.
Wie der KENFO investiert
Die Zahlen stammen aus dem offiziellen Bestandsportfolio zum 31. Dezember 2025, das der KENFO am 15. Juli 2026 veröffentlicht hat und das ich als Datengrundlage genutzt habe.
| Anlageklasse | Anteil |
|---|---|
| Renten | 40,6 % |
| Aktien | 40,5 % |
| Infrastruktur | 5,9 % |
| Private Equity | 4,9 % |
| Kasse | 4,6 % |
| Private Debt | 2,0 % |
| Immobilien (direkt) | 0,8 % |
| Sonstiges | 0,7 % |
Die tatsächliche Aufteilung weicht bewusst von der Zielallokation ab: Geplant sind 30 Prozent in nicht börsennotierten Anlagen, erreicht sind erst 14,3 Prozent – der Aufbau läuft noch bis 2028, weil sich Beteiligungen an Infrastruktur oder Private Equity nur schrittweise über Jahre aufbauen lassen. Bis die Zielquote erreicht ist, parkt der KENFO das nicht investierte Geld ersatzweise in Aktien und Anleihen. Das erklärt die im Vergleich zur Zielstruktur hohe Aktienquote von 41 statt 31,5 Prozent.
Der Fonds hält keine ETFs. Rund zwei Drittel des Geldes werden aktiv verwaltet, ein Drittel bildet den Markt ab – aber auch dieser Teil läuft nicht über Standard-ETFs, sondern über maßgeschneiderte Mandate. Die Titelauswahl übernehmen 22 externe Vermögensverwalter, darunter BlackRock, Amundi, DWS, Pimco und J.P. Morgan. Die Aufgabe des kleinen Teams in Berlin ist es, diese Verwalter auszuwählen und zu kontrollieren – nicht, selbst einzelne Aktien zu kaufen.
Was am meisten überrascht: das USA-Gewicht
Der Aktienteil umfasst 10,36 Milliarden Euro, verteilt auf 3.792 Einzelpositionen. Ein typisches Privatdepot hält 20 bis 30 Werte – der KENFO streut also mehr als hundertmal so breit. Selbst die 25 größten Titel zusammen machen nur 18,7 Prozent des Aktienteils aus. Kein einzelner Wert fällt damit zu stark ins Gewicht.
Interessant wird es bei der Länderverteilung:
| Land | Anteil am Aktienteil |
|---|---|
| USA | 32,1 % |
| Japan | 8,7 % |
| Großbritannien | 8,1 % |
| Frankreich | 5,5 % |
| Schweiz | 4,3 % |
| Deutschland | 4,1 % |
| Taiwan | 3,5 % |
Zum Vergleich: Im MSCI World lag der US-Anteil Ende Juli 2026 bei 72,0 Prozent, im breiteren MSCI ACWI IMI bei 62,8 Prozent. Der KENFO gewichtet die USA also mit rund der Hälfte bis einem Drittel dessen, was ein Standardindex vorgibt.
Diese Untergewichtung ist bewusst gewählt. Der Fonds orientiert sich als Aktien-Benchmark unter anderem am MSCI ACWI IMI – einem Index, der die Aktienmärkte der Industrie- und Schwellenländer nahezu vollständig abbildet, von Groß- bis Nebenwerten – und weicht davon gezielt nach unten ab.
Sechs Immobilienwerte in den Top 25
Die zweite Überraschung steckt in den größten Einzelpositionen. Neben den erwartbaren Namen – Taiwan Semiconductor, NVIDIA, Apple, Alphabet, Microsoft – finden sich unter den 25 größten Aktien gleich sechs Immobilienwerte: Welltower, Prologis, Equinix, Swiss Prime Site, Unibail-Rodamco-Westfield und Vonovia.
Bemerkenswertes Detail: Welltower und Prologis sind im Fonds jeweils höher gewichtet als Amazon. Der Immobilienteil kommt also nicht über die 0,8 Prozent Direktimmobilien in die Bilanz, sondern über börsennotierte Gesellschaften.
Was der Fonds seit 2019 erwirtschaftet hat
| Jahr | Rendite Stiftungsvermögen | Ziel erreicht? |
|---|---|---|
| 2019 | 3,4 % | leicht verfehlt |
| 2020 | 4,6 % | übertroffen |
| 2021 | 8,6 % | übertroffen |
| 2022 | −12,2 % | verfehlt |
| 2023 | 11,1 % | übertroffen |
| 2024 | 9,4 % | übertroffen |
| 2025 | 6,2 % | übertroffen |
Referenz: Zielrendite rund 4 % p. a. Daten: KENFO.
Aus den 24,1 Milliarden von 2017 sind inklusive der bereits ausgezahlten 5,3 Milliarden rechnerisch 30,9 Milliarden geworden. Den seit Gründung erwirtschafteten Mehrwert beziffert der Fonds auf 8,8 Milliarden Euro.
Gemessen am eigenen Auftrag – einer Zielrendite von rund vier Prozent bei begrenztem Risiko und jährlichem Auszahlungsbedarf – hat der KENFO geliefert. Ein direkter Vergleich mit dem MSCI World greift dabei zu kurz: Bei einer Aktienquote von rund 40 Prozent und laufenden Entnahmen verfolgt der Fonds ein anderes Ziel als ein reines Aktienportfolio.
Drei Fragen an das eigene Depot
Der KENFO ist kein Vorbild für ein Privatdepot im engeren Sinn. Er hat einen festen Auszahlungsplan, einen Horizont von 80 Jahren und eine Zielrendite von vier Prozent – Nebenbedingungen, die bei einem privaten Depot fehlen. Auch die schiere Streuung über 3.792 Positionen lässt sich nicht sinnvoll nachbauen: Das entspricht faktisch einem Index, den ein ETF günstiger abbildet.
Interessant sind trotzdem die Entscheidungen dahinter. Drei davon lassen sich auch für ein privates Depot durchdenken:
Erstens: die USA-Gewichtung. Wer über einen Standardindex wie den MSCI World anlegt, hält damit automatisch zwei Drittel bis drei Viertel USA – ohne dass das eine aktive Wahl wäre. Der KENFO gewichtet mit 32 Prozent bewusst niedriger. Das muss man nicht nachmachen, aber es lohnt sich zu wissen, wie hoch die eigene USA-Quote tatsächlich ist.
Zweitens: kein Home Bias. Deutsche Aktien machen 4,1 Prozent des Aktienteils aus – bei einem deutschen Staatsfonds. Das steht im Kontrast zu privaten Depots hierzulande, die häufig einen höheren Anteil heimischer Werte halten.
Drittens: Immobilien als eigener Portfoliobaustein. Nicht als Beimischung nach Gefühl, sondern als fest dimensionierter Anteil, umgesetzt über börsennotierte Gesellschaften.
Drei interessante Dividendenwerte
Die größten Positionen des Fonds sind für Dividendenanleger wenig relevant: TSMC, NVIDIA und Apple zahlen nur geringe Dividenden. Weiter unten in den Top 25 finden sich jedoch etablierte Dividendenzahler. Ich habe drei Werte mit unterschiedlichen Dividendenprofilen ausgewählt: einen deutschen Industriewert, einen europäischen Pharmawert und einen US-Logistik-REIT.
Siemens
Mit 60,9 Millionen Euro die größte deutsche Aktienposition des Fonds, Platz 14 der Top 25.
Der Konzern ist in vier Bereiche gegliedert:
- Digital Industries (Automatisierungstechnik und Industriesoftware),
- Smart Infrastructure (Elektrifizierung, Gebäudetechnik, Netzinfrastruktur),
- Mobility (Bahntechnik)
- Sowie die separat börsennotierte Mehrheitsbeteiligung Healthineers (Medizintechnik).
Die vier Bereiche folgen unterschiedlichen Zyklen, was das Geschäft insgesamt glättet.
Bei der Dividende zeigt sich ein Muster mit einer Unterbrechung: Nach einer Kürzung im Coronajahr 2020 steigt die Ausschüttung seither Jahr für Jahr. Details dazu im Factsheet.

AstraZeneca
Mit 69,7 Millionen Euro die größte Pharma-Position des Fonds, Platz 12 der Top 25.
AstraZeneca entstand 1999 durch Fusion des schwedischen Konzerns Astra AB (gegründet 1913 in Södertälje) mit der britischen Zeneca Group (1993 aus dem Chemiekonzern ICI ausgegliedert).
Der Konzern gliedert sich in drei Therapiebereiche:
- Onkologie (u. a. Tagrisso, Imfinzi, Enhertu) – mittlerweile größter und margenstärkster Bereich
- BioPharmaceuticals (Herz-Kreislauf, Niere, Stoffwechsel sowie Atemwege/Immunologie, u. a. Farxiga, Symbicort)
- Rare Disease (seltene Erkrankungen, aufgebaut über die Alexion-Übernahme 2021)
Bei der Dividende lohnt ein Blick auf die Währung: AstraZeneca formuliert seine Ausschüttungspolitik in US-Dollar und hat dort seit Jahren nicht gekürzt. Aktionäre an der Heimatbörse London erhalten die Dividende jedoch in britischen Pfund, umgerechnet zum Kurs des Vortags der Ankündigung.
Dadurch schwankt der tatsächlich ausgezahlte Betrag mit dem Pfund-Dollar-Kurs. In vier der letzten zehn Jahre ist er gegenüber dem Vorjahr gesunken, obwohl die Dollar-Politik auf Wachstum ausgelegt ist. Details dazu im Factsheet.

Prologis
Mit 84,0 Millionen Euro die größte der drei Positionen im Artikel, Platz 8 der Top 25 – höher gewichtet als Amazon.
Das Geschäft ruht auf drei Säulen:
- Vermietung von Logistikimmobilien (Lagerhallen, Verteilzentren) an Kunden entlang globaler Lieferketten – das Kerngeschäft
- Strategic Capital: Verwaltung von Co-Investment-Fonds für institutionelle Partner gegen Gebühr
- Wachsendes Rechenzentrumsgeschäft durch Umnutzung von Flächen und Stromkapazitäten
Aktuelles Thema bei Prologis: ein rund 18,8-Milliarden-Dollar-Übernahmeangebot für den britischen Logistik-REIT Segro, mit dem Prologis sein europäisches Portfolio deutlich ausbauen würde.
Bei der Dividende ist Prologis der unkomplizierteste der drei Werte: Seit 16 Jahren keine Kürzung, seit 12 Jahren in Folge Steigerung. Details dazu im Factsheet.

Zum Schluss
Der KENFO zeigt, wie ein professioneller Investor mit sehr langem Horizont anlegt, wenn er nicht an einen Standardindex gebunden ist. Breit gestreut über fast 3.800 Aktien. Mit rund 32 Prozent USA statt der über 70 Prozent eines MSCI World. Und mit Immobilien als eigenem Portfoliobaustein.
Gemessen an seinem Auftrag – rund vier Prozent Rendite bei begrenztem Risiko und laufenden Auszahlungen – hat er sein Ziel erfüllt.
Die breite Streuung selbst lässt sich als Privatanleger problemlos nachbilden. Wer überlegt, sein Portfolio ebenso breit aufzustellen, könnte sich den SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF als möglichen Portfoliobaustein ansehen. Er bildet denselben Index ab, an dem sich auch der KENFO orientiert, und ist in zwei Varianten erhältlich:
- Thesaurierend WKN A1JJTD
- Ausschüttend WKN A40F93
| Unternehmen | Land | Gewicht |
|---|---|---|
| NVIDIA | USA | 4,05 % |
| Apple | USA | 3,66 % |
| Microsoft | USA | 2,25 % |
| Amazon.com | USA | 1,98 % |
| Alphabet (A) | USA | 1,83 % |
| Taiwan Semiconductor | Taiwan | 1,66 % |
| Broadcom | USA | 1,47 % |
| Alphabet (C) | USA | 1,45 % |
| Micron Technology | USA | 1,15 % |
| Meta Platforms | USA | 1,05 % |
Antwortet mir gern direkt auf diese Mail: Wie hoch ist eure USA-Quote, und habt ihr sie je aktiv festgelegt?
Datenquelle: KENFO-Bestandsportfolio zum 31.12.2025, eigene Auswertung. Weitere Angaben von kenfo.de. Das Bestandsdokument des KENFO steht unter der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE. Verwendet werden hier aggregierte, selbst berechnete Kennzahlen und ein Auszug der größten Positionen mit Quellenangabe; die vollständige Positionsliste wird nicht gespiegelt.
Alle Kurs- und Kennzahlenangaben sind Momentaufnahmen und ändern sich laufend. Dieser Text ist keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung, sondern die Wiedergabe meiner eigenen Analyse.